Letztes Ostern war es wieder soweit. Nach einer kurzen Pause gingen wir erneut auf große Fahrt. Dieses Mal mit der Mein Schiff 3 entlang der Westküste Europas. Unsere Mein Schiff bestiegen wir in Bremerhaven am Columbuskai und fühlten uns sofort zuhause. Von Bremerhaven segelten wir etwa zwei Wochen bis nach Lissabon, manchmal bei etwas stärkerem Seegang. Zunächst genossen wir zwei volle Seetage, bevor wir unseren ersten Hafen im Norden Spaniens erreichten: die Stadt A Coruña in der autonomen Region Galicien, nicht weit vom berühmten Wallfahrtsort Santiago de Compostela. Der Hafen liegt direkt an der Stadt, sodass man alle Sehenswürdigkeiten gut zu Fuß erkunden kann. Schon vom Terminal aus sieht man beeindruckende Häuserfassaden mit Fenstern, die nicht nur schön sind, sondern auch als natürliche Klimaanlage dienen. Beim Spaziergang durch die Altstadt entdeckt man viele Sehenswürdigkeiten, einige versteckt, andere von Touristen besucht. Unsere Tour endete am Hauptplatz der Stadt, wo wir eine kleine Pause machten und die Atmosphäre genossen. Zum Abschluss gingen wir zum Stadtstrand, einer sichelförmigen Bucht mit herrlichem Blick auf die Stadt und das Meer. Wir haben die Zeit in A Coruña sehr genossen. Ein Tipp für Souvenirs ist ein kleines Geschäft nahe dem Hafen. Dort findet man handgemachte Mitbringsel, Kleidung und Malereien, die von der Besitzerin selbst hergestellt werden.

Am Abend legten wir erneut ab, diesmal mit dem Ziel Leixões/Porto im Norden Portugals, das wir am nächsten Morgen erreichten. Leixões wählten wir als Zielhafen, da Porto selbst keinen eigenen Hochseehafen besitzt, weil die Stadt einige Kilometer flussaufwärts am Douro liegt. Diesmal nutzten wir den Shuttlebus, der uns direkt nach Porto brachte – eine Fahrt, die ebenfalls spannend war. Nach etwa 20 Minuten erreichten wir die Stadt und fuhren hinab zum Fluss ins sogenannte „Wein- und Genussviertel“. Hier findet man alle namhaften Destillerien des weltberühmten Portweins und, wie zu erwarten, eine von Touristen stark frequentierte Promenade, die der Schönheit des Ortes jedoch keinen Abbruch tut. Wie meist schlenderten wir in die zweite Reihe, wo wir oft verborgene Schätze entdeckten. Eine Treppe führte uns ins obere Viertel Torres, durch den Garten Jardim do Morro, von dem aus man einen herrlichen Blick auf das Douro-Ufer und die Altstadt hat. Ein weiterer Aussichtspunkt, der Cais da Ribeira de Gaia, liegt direkt an einem Wahrzeichen von Porto, der Ponte Dom Luís I über den Douro. Die Brücke besteht aus zwei Ebenen: oben für Fußgänger, Radfahrer und die Straßenbahn, unten für den Autoverkehr. Von hier aus gelangt man ins Herz von Porto mit zahlreichen Gebäuden aus der Blütezeit der Stadt. Von der Brücke aus bietet sich links und rechts ein traumhafter Ausblick auf die Stadt, den Douro und das Flusstal. Am anderen Ende angekommen, schlugen wir einen Bogen und gingen bergab zur Uferpromenade. Ich muss zugeben, für die Jahreszeit war es schon recht warm, sodass unsere Erkundungstouren eher kurz ausfielen – zum Glück ein Grund, wiederzukommen. Der Weg war gesäumt von Straßenkünstlern, die teilweise selbstgemachte Souvenirs anboten. Am Fuß der Brücke legten wir eine kurze Pause ein, bevor wir zurückgingen und entlang der „Touristen“-Promenade zur Haltestelle unseres Shuttles schlenderten. Unterwegs entdeckten wir ein kleines Lokal, das eine „Portwein-Verkostung“ anbot. Da wir Portwein noch nie probiert hatten und nun im Ursprungsland waren, war die Entscheidung schnell gefallen. Dazu gönnten wir uns eine Kleinigkeit zu essen und genossen den Moment in vollen Zügen. Gut gestärkt und ein wenig beschwipst brachte uns der Shuttlebus zurück zu unserer Mein Schiff 3. Wir blickten auf einen wunderschönen Tag zurück: Porto ist wirklich eine Reise wert – eine großartige und bezaubernde Stadt.

Und so ging es am Abend wieder auf See in Richtung Lissabon, der Hauptstadt Portugals, mit ihrer jahrhundertealten, wechselvollen Geschichte voller Höhen und Tiefen. Lissabon liegt am Fluss Tajo, und während des Einlaufens in den Hafen passiert man einige Sehenswürdigkeiten wie die Jesus-Statue, das Monument von Heinrich dem Seefahrer, verschiedene Bauten aus der Blütezeit und als Highlight die Durchfahrt unter der Brücke des 25. April, die den Tajo überspannt – eine Erinnerung an das Ende der Diktatur 1974 mit der sogenannten Nelkenrevolution. Mit dem Wind entsteht beim Durchfahren der Brücke ein ganz eigenes Geräusch, das von der aufgehenden Sonne untermalt wurde. Beeindruckend war auch der Blick auf die Praça do Comércio. All das machte die Einfahrt in den Hafen von Lissabon zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Nun stellte sich die Frage, was wir uns alles ansehen würden. Lissabon ist auf sieben Hügeln erbaut, sodass ein Fußmarsch unter Umständen zur Tortur wird, zumal es schon wieder sehr warm war. Wir hatten uns vorgenommen, wieder ein wenig durch die Gassen zu schlendern und uns überraschen zu lassen. Und wir wurden nicht enttäuscht: Während ich nach Fotomotiven Ausschau hielt, entdeckte Daniela ein Künstleratelier. Nachdem ich einige Zeit gewartet hatte, musste ich doch mal nachschauen, wo sie denn blieb. So ging ich ebenfalls in das Atelier und war sofort begeistert. Drinnen war ein älterer, jedoch quicklebendiger Herr, wie sich herausstellte mongolischer Abstammung, ein wahrhafter Künstler. Ich war sofort fasziniert und einfach begeistert.

Sein Name ist Rouslam Botiev (https://rouslambotiev.com/#top) und er war so herzlich, einfach schön. Er fragte mich nach meinem Namen und begann sofort, mich samt meiner Kamera zu zeichnen – in einer Schnelligkeit und Authentizität, die phänomenal zu beobachten war. Die Krönung des Ganzen war mein Name in mongolischer Schrift, ein wundervolles Geschenk und Andenken an diesen herzlichen Menschen. Zum Abschied machten wir noch ein Selfie als Erinnerung.

So machten wir uns, ich möchte sagen, glückselig weiter auf den Weg durch die Gassen von Lissabon und staunten nicht schlecht, als wir plötzlich vor der Kathedrale von Lissabon, der „Sé de Lisboa“, standen. Ein wahrhaft prachtvoller Bau, allerdings mit Touristenmassen belagert. Dem Gewusel entkamen wir schnell und machten uns in Richtung Praça do Comércio auf. Die Straßen waren voll von Menschen, Straßenbahnen, „Sightseeing-Flitzern“ – ein wahres Spektakel. Auch der Platz war voller Touristen, was der Pracht jedoch keinen Abbruch tat. Ein Straßenkünstler sorgte mit Seifenblasen für Stimmung, nicht nur die Kinder waren hellauf begeistert, auch wir.

Nun war eine kleine Erfrischung angebracht – Eis oder Getränk? Es wurde ein Getränk: ein frisch zubereiteter Ananas-Smoothie mit oder ohne Alkohol, direkt aus der ausgehöhlten Ananas – das findet man nicht überall und es war super lecker. Der Weg zurück zum Schiff war ebenfalls sehr schön, vorbei an einem Hafenterminal, dessen Innenraum mit Wappen der portugiesischen Provinzen verziert und über und über mit Marmor ausgekleidet war.

Zurück am Schiff war unser Resümee: Es war schön, für den heutigen Tag genau richtig. Lissabon ist beeindruckend, aber Porto hat uns mehr angetan. So ging auch dieser Tag zu Ende und die Reise erreichte ihre Halbzeit. Nun stand wieder Erholung auf See an, mit zwei vollen Seetagen und dem Ziel Bilbao in Nordspanien.

Trotz der Seetage und der Erholung stellte sich bei uns langsam eine richtige Faulheit ein. Was tun im nächsten Hafen? Am liebsten an Bord bleiben. Mal sehen, wenn es soweit ist. Die Destination Bilbao ist vergleichbar mit Porto: Um in die Stadt zu gelangen, braucht man ein fahrbares Gefährt – doch darauf wollten wir dieses Mal verzichten. So blieben wir in der Hafenstadt Getxo und erkundeten die Umgebung.

Was wir noch nicht richtig einschätzten, war die Strecke, die wir letztendlich zurücklegen würden – bei knapp 30 Grad und meist in der Sonne entlang der Uferpromenade. Am Ende waren es fast zehn Kilometer. Es war schön, und wir entdeckten einige reizvolle Orte. Auf dem Weg kamen wir an prächtigen Villen vorbei. Die Uferpromenade ist sehr weitläufig und beherbergt zahlreiche schöne Gebäude, meist Wohnungen. Unser Ziel war die, wie uns gesagt wurde, außergewöhnliche Eisenbrücke – die erste Hochbrücke für Personen und Fahrzeuge in Europa, die Puente de Vizcaya. Beeindruckend, zweifellos, aber war der Marsch diesen Aufwand wert? Definitiv nicht.

Auf dem Rückweg schauten wir in die zweite Reihe und entdeckten eine interessante Kirche: die Iglesia de Nuestra Señora de las Mercedes. Die Kirche wurde in den 1950er Jahren erbaut und besticht durch ihre Schlichtheit. Während des Rückwegs schweiften unsere Blicke noch über den Strand und das gegenüberliegende Ufer. Am Strand tummelten sich die Einheimischen und genossen das herrliche Wetter. Für uns ging es zurück zum Schiff, und wir waren heilfroh, unsere Kabine zu betreten und erst einmal die Füße hochzulegen nach diesem für uns regelrechten Gewaltmarsch. Trotzdem war es schön, und wir möchten diese Erfahrung nicht missen.

Wohin geht es als Nächstes? Eigentlich sollte es nach Le Havre in Frankreich gehen. Doch unser Kapitän informierte uns bereits Tage zuvor, dass am Tag unserer Ankunft ein Streik des Hafenpersonals geplant war. Deshalb wurden wir stattdessen in den kleinen Küstenort Le Verdon-sur-Mer in der Bretagne umgeleitet. Anfangs waren wir uns unsicher, was wir dort machen sollten. Wir überlegten, den Ort zu erkunden oder vom Schiff aus entlang des Ufers zu spazieren. Doch es kam anders: Daniela war schon einige Tage zuvor leicht krank, und auch ich hatte eine Erkältung. So blieben wir an Bord und genossen den Tag mit dem beruhigenden Blick auf die Landschaft. Nicht weit entfernt liegt Bordeaux, und so entstand die Idee, die Region auf andere Weise zu entdecken – mit einem Flug nach Bordeaux und anschließendem Mietwagen-Ausflug.

Am Abend setzten wir unsere Reise mit der Mein Schiff 3 zum letzten Hafen, Zeebrügge in Belgien, fort. Bereits im vergangenen Jahr waren wir dort während unserer „AIDA-Testreise“, blieben damals jedoch wegen schlechten Wetters an Bord. Dieses Mal hatten wir fest vor, das Schiff zu verlassen und entweder die nähere Umgebung, etwa Oostende, zu erkunden oder mit Bus oder Bahn nach Brügge zu fahren. Letztendlich blieben wir jedoch erneut an Bord – der innere Schweinehund hielt uns fest. Einfach die letzten Tage entspannt und faul genießen.

Am Anfang einer Reise denkt man vor allem an die Zeit, die noch vor einem liegt. Doch plötzlich rückt das Ende näher, und eine sanfte Wehmut macht sich breit. Einen ganzen Seetag durften wir noch auf der Mein Schiff 3 genießen, bevor wir in Bremerhaven wieder anlegten. Das Schöne daran, eine Kreuzfahrt von Deutschland aus zu starten und dorthin zurückzukehren, ist der stressfreie Abschied – das Auto steht nur wenige Minuten entfernt und wartet geduldig.

Manche fragen sich vielleicht, warum wir nicht mit der Bahn oder dem Flugzeug reisen. Die Antwort ist einfach: Die Bahn ist oft problematisch, Fliegen spart zeitlich kaum etwas, und das Drumherum ist uns zu stressig. Am entspanntesten sind wir mit dem Auto unterwegs – vor allem, weil es kein Problem mit dem Koffergewicht gibt.

Das war ein kleiner Einblick in unsere Westeuropareise. Vielleicht schreibe ich noch ein paar Einzelberichte zu den Stationen mit mehr Details. Jedenfalls freuen wir uns schon sehr auf unsere nächste Kreuzfahrt, die uns wieder nach Norwegen, Island, Kanada und in die USA führen wird. Ein Tagebuch werde ich dieses Mal jedoch nicht schreiben, sondern im Nachgang wieder in dieser Art mit einigen einzelnen Berichten.

Auf bald, euer Manfred